Sexualität

Wir haben diesen Text übernommen weil die Sexualität bei den meisten doch ein Problem darstellt.

Im einen Moment schwört er ihr seine Liebe, nimmt sie an der Hand und tanzt durch die Wohnung. Kurz darauf brüllt er sie an, weil sie ein Wasserglas auf der Fensterbank statt auf dem Esstisch abgestellt hat. "Ein typisches Verhalten für Menschen mit Borderline", sagt Manuela Rösel, psychologische Beraterin aus Berlin. "Sie kennen nur Extreme." Es sind Grenzgänger zwischen Euphorie und Depression, Selbstüberhöhung und Selbstzweifel, Schwarz und Weiß.
Etwa 1,2 Millionen Deutsche leiden an der Persönlichkeitsstörung, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Borderliner noch steigen wird. Der Grund: Unsere Gesellschaft wird zusehends fragmentierter, feste Familienstrukturen brechen immer mehr auseinander. Das macht den Grenzgängern zu schaffen, denn gerade sie brauchen ein stabiles Umfeld.

Der bekannte deutsche Psychiater Borwin Bandelow ist davon überzeugt, einen Großteil der Borderliner unter Prominenten verorten zu können. Robbie Williams, Kurt Cobain und Angelina Jolie sind nur einige Namen, die er nennt. Seine These: Das Gehirn von Borderlinern schüttet zu wenige Endorphine aus, deshalb verlangen sie mehr als andere nach Glückshormonen. Und die bekommen sie vor allem im Rampenlicht. Bandelow empfiehlt sogar: "Wer an solchen Störungen leidet, sollte anstreben, Künstler zu werden." Seine Kollegin Dr. Kirstin Bernhardt, stellvertretende Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Kiel, sieht diese Einschätzung kritisch. Eine Bestätigung von außen habe keinen dauerhaft positiven Einfluss auf das sehr niedrige Selbstwertgefühl von Borderlinern. Einig ist sie sich aber mit Borwin Bandelow, dass diese außerordentlich kreative Menschen sind. Vielleicht ein Anstoß für Betroffene, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, auszuprobieren, ob dieses Ventil Erleichterung verschafft.

Betroffene ritzen sich oder schlagen ihren Kopf gegen die Wand

Die Ursachen für die Persönlichkeitsstörung sind noch nicht eindeutig geklärt. Die meisten Experten vermuten ein Zusammenspiel zwischen genetischen und sozialen Bedingungen. "Zu den vererbbaren Faktoren zählt, dass die Hirnregionen, die eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung von Situationen spielen, bei Borderlinern extrem erregbar sind", sagt Kirstin Bernhardt. Das hat zur Folge, dass diese unter massiven Anspannungen leiden und überempfindlich auf Reize reagieren. Hat jemand dann auch noch in seiner Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht, sich isoliert gefühlt oder gar Missbrauch erlebt, erhöht sich der Schweregrad der Erkrankung.

Nach dem System, mit dem psychische Krankheiten klassifiziert werden, gibt es neun Indikatoren für die Störung. Sind fünf davon erfüllt, gilt der Patient als Borderliner. Dazu zählen ein unsicheres Selbstbild, ein Verhalten, mit dem man sich selbst schadet wie etwa Drogenmissbrauch oder übermäßiges Geldausgeben. Typisch sind auch Selbstverletzungen, Betroffene ritzen sich in die Haut und schlagen ihren Kopf gegen die Wand. Weitere Indizien: das chronische Gefühl von innerer Leere, Wutanfälle, paranoide Vorstellungen, Selbstmorddrohungen und widersprüchliche Gefühle wie die Panik vor dem Alleinsein, obwohl gleichzeitig eine große Angst vor Nähe herrscht.

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