Selbstverletzendes verhalten: Wie Außenstehende reagieren sollten

Selbstverletzungen sind in der Regel Ausdruck einer psychischen oder seelischen Erkrankung. Außenstehende wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen, wenn sie bei Freunden oder Familienmitgliedern häufige Verletzungen bemerken. Sie möchten helfen, haben aber Angst vor der Reaktion des Betroffenen. Hier finden Sie einige Tipps dazu.

Gründe für Selbstverletzungen

Selbstverletzungen sind für Betroffene ein Mittel, um inneren Druck abzubauen oder psychische oder seelische Probleme kurzzeitig zu verdrängen. Typisch sind Selbstverletzungen zum Beispiel bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Auch andauernde Konfliktsituationen oder Verlusterlebnisse, etwa die Scheidung der Eltern, können vor allem bei jungen Menschen zu Selbstverletzungen führen. Wie das Gesundheitsportal "gesundheit.de" berichtet, sind die meisten Menschen, die sich selbst verletzen, im Alter zwischen 14 und 20 Jahren, also im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Die meisten Betroffenen sind Mädchen oder junge Frauen.

Selbstverletzung: Störungen erkennen

Das sogenannte Ritzen, also Schneiden mit Messern, Rasierklingen oder gar Glasscherben, ist die häufigste Form der Selbstverletzung. Andere Betroffene fügen sich mit Zigaretten oder einem heißen Bügeleisen Brandwunden zu oder reißen sich die Haare aus. Auch extremes Nägelkauen kann als Selbstverletzung gelten. Oft können Außenstehende erst spät reagieren, da die Betroffenen sich die Verletzungen an Stellen zufügen, die von Kleidung bedeckt sind, sodass sie unbemerkt bleiben. Meist nehmen die Verletzungen aber mit der Zeit in Intensität und Ausdehnung zu, wenn der Konflikt bestehen bleibt und keine Hilfe geboten wird. Bemerken Sie an einer Ihnen nahestehenden Person immer wieder frische Verletzungen, sollten Sie dies nicht ignorieren, sondern versuchen, ihr zu helfen. Das muss allerdings behutsam geschehen.

Nicht mit Vorwürfen reagieren

Eltern sind zunächst meist schockiert oder betroffen, wenn sie mitbekommen, dass ihr Kind sich selbst verletzt. Der falsche Weg ist es aber dann, mit Vorwürfen oder Drohungen zu reagieren und das Kind schlicht anzuweisen, damit aufzuhören. So setzen Sie ihr Kind nur unter Druck und vermitteln ihm, dass es etwas falsch macht, während die Ursachen für die Selbstverletzungen ungeklärt bleiben. Früher oder später wird das selbstverletzende Verhalten dann wieder einsetzen. "Eltern sollten zeigen, dass sie ihr Kind ernst nehmen, sich um es sorgen und ihm helfen möchten", so Prof. Jörg Fegert, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP), in einem Bericht der "Rheinischen Post". So sollten Sie ebenfalls reagieren, wenn Sie bemerken, dass sich eine Person in Ihrem Freundeskreis selbst verletzt.