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Wie Stress das Immunsystem altern lässt

Wie Stress das Immunsystem altern lässt

Ausgebrannt: Das Phänomen Burnout

© no_limit_pictures / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Wie der übrige Körper, so altert auch das Immunsystem. Seine Schlagkraft lässt auf natürliche Weise mit den Jahren nach. Am Ende zirkulieren vermehrt erschöpfte und zu wenige frische weiße Blutkörperchen im Blut, die Erreger abwehren können. Einer aktuellen Studie zufolge kann Stress diesen Alterungsprozess der Körperabwehr erheblich beschleunigen.

Alterndes Immunsystem, schlechtere Gesundheit

Das hat gesundheitliche Folgen: "Altersbedingte Veränderungen des Immunsystems spielen eine entscheidende Rolle bei der Verschlechterung der Gesundheit", sagt der Hauptautor der Studie, Eric Klopack von der University of South Carolina.

Sie gehen nicht nur mit einer geschwächten Abwehr von Krankheitserregern einher, sondern auch mit Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einem erhöhten Risiko für Lungenentzündungen, einer geringeren Wirksamkeit von Impfstoffen sowie der Alterung von Organsystemen.

Der Forscher und sein Team haben untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen lebenslanger Stressbelastung, welche die Gesundheit beeinträchtigt, und einer nachlassenden Fitness des Immunsystems gibt.

Dazu ermittelten sie zunächst die Stressbelastung von rund 5.800 Personen über 50 Jahren per Fragebogen. Erfasst wurden dabei sowohl belastende Lebensereignisse als auch die chronische Stressbelastung beispielsweise durch Beruf, Familie, Pflege von Angehörigen und Diskriminierung.

Immunsystem Gestresster ist in schlechtem Zustand

Anschließend untersuchte das Team den Zustand des Immunsystems der einzelnen Teilnehmenden anhand von Blutproben. Dazu setzten die Forschenden die sogenannte Durchflusszytometrie ein, mit deren Hilfe man Blutzellen zählen und klassifizieren kann. Das funktioniert, indem man die Blutzellen in einem engen Strom einzeln an einem Laser vorbeischickt.

Ein Abgleich der Messergebnisse mit der individuellen Stressbelastung der Teilnehmenden ergab, dass sich das Immunsystem gestresster Menschen im Schnitt in einem deutlich schlechteren Zustand befand: Der Anteil frischer weißer Blutkörperchen war geringer, jener der abgenutzten weißen Blutkörperchen hingegen höher.

Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Forschenden mögliche Einflussfaktoren wie Bildung, Rauchen, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index (BMI) und ethnische Zugehörigkeit herausgerechnet hatten.

Einfluss von schlechter Ernährung und Bewegungsmangel bei Stress

Das galt allerdings nicht für zwei weitere Faktoren: Ernährung und Bewegung. Berücksichtigten die Forscher den Einfluss dieser Lebensstilfaktoren, war die Stressbelastung zwar noch immer ein unabhängiger Faktor. Der Effekt auf das Immunsystem fiel aber geringer aus. "Das bedeutet, dass Menschen, die mehr Stress ausgesetzt sind, tendenziell schlechtere Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten haben“, so Klopack.

Schlechter Lebensstil wegen Zeitmangel

Wohl jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass gesundheitsfördernde Verhaltensweisen bei Zeitmangel schnell unter den Tisch fallen. Statt ausgewogener Mahlzeiten werden Sandwiches verspeist. Und auch das Sportprogramm bleibt bei Hektik im Alltag auf der Strecke. „Das könnte teilweise erklären, warum das Immunsystem gestresster Menschen schneller altert“, so Klopack.

Dabei ist gerade körperliche Aktivität bei Stress besonders wichtig: Beim Sport baut der Körper stressbedingt ausgeschüttetes Cortisol ab – ein Stresshormon, das sich nachweislich negativ auf das Immunsystem auswirkt. Als Faustregel empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation ein Pensum von mindestens 150 Minuten moderaten oder 75 Minuten intensiven Trainings pro Woche.

Die Botschaft ist also: Kümmern Sie sich auch und gerade bei Stress gut um sich. Das erhält nicht nur Ihre unmittelbare Leistungsfähigkeit, es federt auch die langfristigen Folgen ab.

Impfung gegen Zytomegalie schützt auch das Immunsystem

Die Forscher haben darüber hinaus eine weitere Idee, wie sich Langzeitschäden von Stress vergleichsweise einfach abmildern ließen. Eine zentrale Rolle könnte dabei eine Impfung gegen das Zytomegalie-Virus (CMV) spielen.

Das Virus ist beim Menschen weit verbreitet, verursacht aber meist keine Symptome. Ähnlich wie Gürtelrose oder Herpes ist CMV im Körper die meiste Zeit inaktiv. Es kann aber aufflammen, insbesondere wenn eine Person starkem Stress ausgesetzt ist. Von CMV ist zudem bekannt, dass es die Alterung des Immunsystems stark beschleunigt. Eine Impfung könnte künftige Generationen dagegen wappnen.

Kommentare: 0
      am
29 Jun 2022
      von
Alaska1966
 
 
 

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